Ich möchte meine Pflanzen, mein Gemüse, mein Obst behandeln. Gibt es eine Regelung und eine Kontrolle der Verwendung von Pestiziden?
Pestizide sind zur Bekämpfung von Pflanzen-, Obst- und Gemüseschädlingen eingesetzte Pflanzenschutzmittel. Es gibt drei Hauptgruppen: Insektizide gegen schädliche Insekten, Fungizide gegen Pilze und Herbizide gegen Unkräuter.
EIGENSCHAFTEN DER PESTIZIDE
Pestizide bekämpfen wirksam unerwünschte Organismen und ermöglichen eine ertragreichere Erzeugung von qualitativ hochwertigen Nahrungsmitteln. Aber ein übermäßiger und unvernünftiger Gebrauch hat auch negative Auswirkungen auf die Umwelt sowie auf die Gesundheit von Mensch und Tier. Sie geraten in die Luft und das Wasser und verseuchen die Böden. Sie können nützliche Insekten sowie andere Tiergattungen direkt oder indirekt vergiften. Außerdem kann ihr übermäßiger Einsatz die Resistenz gewisser unterwünschter Arten erhöhen.
EUROPÄISCHE UND NATIONALE VORSCHRIFTEN
Seit 1991 harmonisiert die EU die Vorschriften zwischen den Mitgliedstaaten und erteilt ihre Genehmigung für die Wirkstoffe, die die Produkte enthalten können. Sie bewertet Risiken, ermittelt gefährliche Substanzen für Mensch und Umwelt und zieht diese, falls notwendig, aus dem Verkehr. Dann wird es Sache der Länder sein, auf ihrem Staatsgebiet den Verkauf und die Verwendung der Pestizide, die diese aktiven Wirkstoffe enthalten, zu reglementieren. Somit gibt es eine Art doppelter Kontrolle: die europäische Zulassung der Wirkstoffe und dann die Verkaufs- und Anwendungsgenehmigung der Pestizide im jeweiligen Land. Dabei gilt folgender Grundsatz: Was nicht gesetzlich erlaubt ist, ist verboten. Ab 2009 werden jedoch neue europäische Gesetze die Verwendung von Pestiziden in den Mitgliedsstaaten weiter harmonisieren.
In unserem Land ist der föderale Minister für Volksgesundheit zuständig für die Zulassung von Pestiziden zur Nutzung in der Landwirtschaft (beraten durch ein Fachgremium, den Zulassungsausschuss). Die erlaubte Nutzung (Landwirtschaftskulturen, Dosen, Anwendungshäufigkeit, usw.) ist in den Genehmigungsurkunden klar definiert. Die Konformität der Produkte (Verwendung, Zusammensetzung, Etikettierung usw.) wird von der Föderalen Lebensmittelagentur kontrolliert. Des Weiteren gibt es ein föderales Programm zur Reduzierung der Verwendung von Pestiziden und Bioziden (PRPB).
Die Regelung über die Anwendung von Pestiziden hängt von den Regionen ab. So gibt es in der Wallonischen Region zwei Vorschriften. Zum einen wird die Verwendung von Herbiziden im öffentlichen Raum, außer gepflasterten und mit Kies bedeckten Flächen, Friedhofsalleen und Bereichen, die weniger als 1 Meter entfernt von Bahngleisen liegen, untersagt. Zum anderen wird die Verwendung, die Aufbewahrung und die Lagerung von Pestiziden in Gewässereinzugsgebieten untersagt, um jegliche Kontaminierung des Wassers zu verhindern.
Seit 2004 bezweckt die Brüssler Region das Verbot der Verwendung von Pestiziden für die Verwaltung der öffentlichen Räume und die Verpflichtung zur Verwendung von alternativen Techniken. Nur wenn kein anderes Mittel anwendbar ist, ist die Verwendung von Pestiziden unter der Einhaltung bestimmter Bedingungen genehmigt.
VORBEUGEN IST BESSER ALS HEILEN
Es gibt Alternativen, um den Rückgriff auf Pestizide zu reduzieren:
- Bedecken Sie den Boden mit Kräuterpflanzen oder mit bodenbedeckenden Ziersträuchern. Dadurch fehlt dem Unkraut das nötige Licht und der Platz, um zu wachsen. Verwenden Sie beim Anpflanzen eine 10 cm dicke Schicht Kompost oder Rindenmulch. Sie verhindern Unkraut damit von Anfang an und die bodenbedeckenden Ziersträucher können optimal wachsen.
- Auf kleinen Flächen entfernen Sie das Unkraut mit der Hand. Auf größeren Flächen verwenden Sie einen Unkrautbrenner. Flammen Sie damit das Unkraut alle 2 bis 3 Wochen ab, bis Sie diese bis zum Grund zerstört haben.
- Wenn Sie die Kiesflächen ihrer Fußwege regelmäßig harken, wächst dort kein Unkraut. Tun Sie dies am besten bei warmen Wetter, damit die ausgerissenen Pflanzen vertrocknen und schnell absterben.
- Vermeiden Sie Bodenkrankheiten im Garten, indem Sie abwechselnde Kulturen anpflanzen, oder Pflanzen verwenden, die resistent sind. Eine Kombination von verschiedenen Kulturen trägt ebenfalls zur Vorsorge gegen Bodenkrankheiten bei.
- Schnecken lassen sich mit Hilfe von Tannennadeln, gemahlenen Muscheln oder zerbrochenen Eierschalen auf Abstand halten. Statten Sie Ihren Garten mit Nistplätzen für Tiere aus oder pflanzen Sie eine Hecke oder einen kleinen Wald an. Igel und Vögel fressen nämlich liebend gern Schnecken.
Diese im biologischen Landbau genutzten Lösungen kommen im Obstbau und im Treibhausanbau von Gemüse, wie Tomaten oder Paprika, zum Einsatz.
SETZEN SIE PESTIZIDE SINNVOLLER EIN
Lesen Sie sehr aufmerksam das Etikett auf der Pestizidpackung. Es nennt die Eigenschaft des Produkts, dessen Anwendungsbedingungen, die Risiken, die es für Gesundheit und Umwelt darstellt, usw. Bedenken Sie: Eine Überdosierung bringt kein besseres Ergebnis. Verwenden Sie Pestizide nicht bei regnerischer Witterung und sehr heißem Wetter. Sie sind dann weniger wirksam. Verwenden Sie Pestizide nie in der Nähe von Personen oder von Nahrungsmitteln. Bewahren Sie sie stets für Kinder unzugänglich auf.
Achten Sie sorgfältig darauf, dass das Produkt nicht in Wasserläufe, Teiche oder das Abwassersystem gelangen kann. Verwenden Sie deshalb keine Herbizide auf undurchlässigen Böden, mit Schotter bedeckten Flächen, Garageneinfahrten mit Gefälle usw. Schließlich sollten Sie leere Verpackungen wie „kleine gefährliche Abfälle“ in den Containerparks oder - in bestimmten Gemeinden - bei der Sammlung chemischer Haushaltsabfälle entsorgen.
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Für Informationen über die Pestizide
Föderaler Öffentlicher Dienst Volksgesundheit, Sicherheit der Nahrungsmittelkette und Umwelt
Generaldirektion Tiere, Pflanzen und Ernährung, Dienststelle Pestizide und Düngemittel
Place Victor Horta 40 Postfach 10
1060 Brüssel
Tel. 02 524 72 60
apf.pest@health.fgov.be
www.gesundheit.belgien.be
Für das Programm zur Reduzierung von Pestiziden und Bioziden (PRPB)
prpb@health.fgov.be
www.prpb.be
Für ein Problem bezüglich der Lebensmittelsicherheit
Föderale Agentur für Sicherheit der Nahrungsmittelkette (FASNK)
CA-Botanique - Food Safety Center
Boulevard du Jardin Botanique 55
1000 Brüssel
Tel. 0800 13 550 (Anruf gebührenfrei)
pointcontact@afsca.be
www.afsca.be
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- www.bombylius.be (Artenvielfalt in Ihrer Nachbarschaft)
- www.fytoweb.fgov.be (in Belgien zugelassene Pestizide zur landwirtschaftlichen Nutzung)
- „Bonnes pratiques agricoles pour la sécurité alimentaire“, Föderale Agentur für Sicherheit der Nahrungsmittelkette, 2007, 107 S.
Diese Broschüre kann kostenlos heruntergeladen werden von www.afsca.be oder per Telefon unter der Nummer 0800 13 550 (Anruf gebührenfrei) bestellt werden.
- „Biocides et pesticides : pas sans risques ! Astuces pratiques respectueuses de l’environnement et de la santé“, Föderaler Öffentlicher Dienst Volksgesundheit, Sicherheit der Nahrungsmittelkette und Umwelt, 2007, 31 S.
Kostenlose Broschüre per Telefon unter 02 524 97 97, per Mail auf info@health.fgov.be zu bestellen oder auf www.prpb oder www.bombylius.be herunterzuladen.
- „Comment éviter les déchets dangereux? Pour une maison propre et un environnement sain“, 2005, 20 S.
Kostenlose Broschüre kann bestellt werden:
Brüssel Umwelt - IBGE
Verwaltung der Umwelt und der Energie der Region Brüssel-Hauptstadt
Gulledelle 100
1200 Brüssel
Tel. 02 775 75 75
info@bruxellesenvironnement.be
www.bruxellesenvironnement.be











