Selbstmord

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Wie soll man gegenüber einer zum Selbstmord neigenden Person reagieren? Auf welche Anzeichen sollte man achten?


Der Selbstmord berührt alle Bevölkerungsschichten, alle Altersgruppen und alle gesellschaftlichen Klassen. Zweite Todesursache bei Jugendlichen zwischen 15 und 24 Jahren, erste Todesursache bei jungen Erwachsenen zwischen 25 und 34 Jahren, stellt er auch – man neigt dazu, das zu ignorieren – eine wichtige Todesursache bei älteren Menschen dar. Überdies werden in Belgien täglich 60 bis 70 Selbstmordversuche begangen, mit einer hohen Rückfallrate. Ganz allgemein zählt die Selbstmordquote in Belgien zu den höchsten Europas.

Einige Anzeichen verdienen die Aufmerksamkeit der Umgebung.

Folgende Verhaltensweisen können auf eine zum Selbstmord neigende Persönlichkeit hinweisen: Isolierung, Rückzug auf sich selbst, Alkohol- und/oder Arzneimittelmissbrauch, Hyperaktivität oder, im Gegenteil, äußerste Langsamkeit, Abnahme des Interesses an Schule oder Beruf, fehlende Reaktion auf den Tod eines nahestehenden Menschen oder auf ein anderes wichtiges Ereignis (Arbeitsplatzverlust, Zerbrechen einer Liebesbeziehung) usw.

Aufschlussreich sind auch gewisse Botschaften, seien sie nun direkt („Ich will Schluss machen“, „Das Leben lohnt sich nicht mehr“, „Ich werde es nie schaffen“, „Ich möchte für immer einschlafen“) oder indirekt („Ihr würdet euch ohne mich wohler fühlen“, „Mein Leben ist unnütz“, „Ich habe mein Testament gemacht“, „Ich werde eine lange Reise antreten“).

PRAKTISCHE RATSCHLÄGE
Auf diese Anzeichen reagiert jeder gemäß seiner eigenen Empfindsamkeit und entsprechend der Situation, der er sich gegenüber sieht. Ganz allgemein sollte man Folgendes vermeiden:

  • urteilen (vermeiden Sie Bemerkungen wie: „Das ist feige“); 
  • moralisierende Reden halten, die Person dazu anregen, aus Pflichtgefühl für Ihre Angehörigen zu leben, Glücksrezepte geben; 
  • sich über seine Möglichkeiten/Kräfte hinaus engagieren; 
  • sich in dem Geheimnis einschließen lassen und allein die Verantwortung der Begleitung tragen. 

Einige zu empfehlende Haltungen:

  • Nehmen Sie jeden Selbstmordversuch ernst. 
  • Akzeptieren Sie, offen mit der Person über ihr Todesverlangen zu sprechen. 
  • Fordern Sie die Person auf, sich anzuvertrauen, hören Sie ihr zu, unterstützen Sie sie, aber verzichten Sie auch darauf, alles verstehen zu wollen und Lösungen für ihre Probleme finden zu wollen. 
  • Lassen Sie sich helfen, wenn Sie sich überfordert fühlen, indem Sie entweder das Selbstmordverhütungszentrum (0800 32 123) anrufen oder sich an einen Spezialisten wenden (praktischer Arzt, Psychologe, Psychiater, Psychotherapeut). 
  • Ermutigen Sie die Person, Kontakt zu einem Spezialisten oder zum Selbstmordverhütungszentrum aufzunehmen.

Wenn Sie Selbstmordgedanken hegen oder wenn Sie mit dem Lebensschmerz eines nahestehenden Menschen konfrontiert sind, rufen sie gebührenfrei und anonym an bei:

Centre de prévention du suicide (CPS)
(Selbstmordverhütungszentrum)
Gebührenfreier Anruf unter 0800 32 123 (En langue française : 7 Tage pro Woche, rund um die Uhr)
cps@preventionsuicide.be
www.preventionsuicide.be

Telefonhilfe
Tel. 108 (7 Tage pro Woche, rund um die Uhr)